Pressebericht

Kernthema der Obstbaubranche: Wirtschaftlichkeit von regionalem Obst muss gestärkt werden

Fruchtwelt Bodensee und 41. Bodensee-Obstbautage mit aktuellen Trendthemen – 320 Aussteller aus 16 Nationen präsentieren die Zukunft des Erwerbsobstbaus, der Destillation und Agrartechnik – Leicht überdurchschnittliche Ernteergebnisse am Bodensee

Friedrichshafen – Herausforderungen wie steigende Betriebskosten, rapide Klimaveränderungen und die angespannte Marktsituation sorgen derzeit für hohen Gesprächsbedarf bei den Obsterzeugern, Brennern und Landwirten. „Gerade in Zeiten mit vielfältigen Ansprüchen ist es wichtig, dass die Branchenakteure ihren gemeinsamen Austausch pflegen und sich gegenseitig informieren. Nach drei Jahren ist es endlich wieder möglich, dass sich die Obstbauern und auch die Brenner persönlich treffen. Mit der Fruchtwelt Bodensee vom 13. bis 15. Januar 2023 bieten wir ihnen die internationale Plattform für neue Erkenntnisse im richtigen Moment“, freuen sich Messe-Chef Klaus Wellmann und Projektleiterin Petra Rathgeber über die erste Veranstaltung im Messejahr 2023. Aus 16 Nationen präsentieren 320 ausstellende Unternehmen die Themenvielfalt rundum Erwerbsobstbau, Destillation und Agrartechnik.

Bei der Pressekonferenz zur Fruchtwelt Bodensee wird erklärt, dass die Produktionskosten der Obstbauern stark steigen und die Erlöse aus der Ernte dennoch sinken. Thomas Heilig und Erich Röhrenbach, die Vorsitzenden der Obstregion Bodensee e.V., betonen: „Am Bodensee produzieren die Obstbauern Obst mit einer hervorragenden Qualität und haben dieses Jahr eine sehr gute Ernte gehabt. Doch die Wirtschaftlichkeit und damit auch die Existenzen der regionalen Obstbaubetriebe sind bedroht. Besonders die gesteigerten Betriebskosten und der erhöhte Mindestlohn ließen die Kosten je nach Sorte zwischen 20 und über 30 Prozent steigen. Zeitgleich führten die große europäische Ernte, die Kaufzurückhaltung der Verbraucher aufgrund der Inflation sowie die Verschiebungen in den Absatzmärkten durch den Krieg in der Ukraine zu einem Preisdruck auf dem deutschen Markt und sinkenden Erlösen, um aktuell gut 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.“

Mit knapp 260 000 Tonnen wurde der beste Ernteertrag seit dem Rekordjahr 2018 verzeichnet. Das entspricht im Durchschnitt 6 Prozent mehr als in den drei vorangegangenen Jahren. Zu der ertragreichen und qualitativ sehr guten Menge haben das warme Frühjahr, viele Sonnenstunden und ausbleibende Spätfröste beigetragen. Für die Erzeugerinnen und Erzeuger hatte das eine frühere Ernte zur Folge. Doch für die Obstbauern stiegen die Erlöse nicht im gleichen Maße wie die Kosten der Produktion. Direkt am ersten Messetag werden alle relevanten Aspekte bei der Eröffnung und im anschließenden hochkarätig besetzten Panel der 41. Bodensee-Obstbautage aufgegriffen. Neben der Staatssekretärin Sabine Kurtz kommen weitere Expertinnen und Experten aus Politik, Wirtschaft und Verbänden zusammen und berichten über die derzeitige Lage. Am Samstagvormittag geht Marktexperte Hellwig Schwartau noch einmal im Detail auf die aktuelle Situation ein.

Mit der Zukunft des Obstbaus befassen sich auch die Forschungs- und Entwicklungsprojekte des Kompetenzzentrums Obstbau Bodensee (KOB). Zusammen mit seinem Team versucht der KOB-Geschäftsführer, Dr. Manfred Büchele, Impulse und Chancen aus der Krise abzuleiten: „Wir müssen uns auf unsere Stärken besinnen und diese weiterentwickeln. Unsere Stärken sehen wir dabei klar in der Entwicklung von neuem Pflanzenschutz, dem Einsatz von digitalisierten und nachhaltigen Konzepten und auch neuen Technologien wie Agri-Photovoltaik (Agri-PV). Ziel unserer Forschung ist es, Betriebe auf die Zukunft vorzubereiten und sie dabei zu unterstützen die Sorten den neuen Klimagegebenheiten anzupassen.“ Weitere Impulse zum Einsatz von Digitalisierung im Obstbau gibt es am Samstag in den Forschungsberichten des KOB, das allgegenwärtige Trendthema Agri-PV wird am Sonntag in einer Vortragreihe des Vereins landwirtschaftlicher Fachbildung Bodenseekreis e. V. und dem Landratsamt Bodenseekreis-Landwirtschaftsamt beleuchtet.

Neben den informativen Inhalten des Rahmenprogramms befassen sich zur Fruchtwelt Bodensee auch die ausstellenden Unternehmen in der neuen Start-up Area und die vertretenen Hochschulen damit, den Obstbau neu zu denken und die Betriebe auf zukünftige Gestaltungsoptionen aufmerksam zu machen.

Wie wichtig die Investition in die Bildung der jungen Landwirtschafts-Generation ist, zeigt sich auch beim Werdegang von Sina Bernhard. Als erfolgreiche Jung-Landwirtin und Apfelprinzessin steht sie für den zukunftsorientierten Obstbau. „In meiner Funktion als Teil der Betriebsleitung im elterlichen Betrieb wie auch als Apfelprinzessin will ich die Transparenz der Obstproduktion weiter vorantreiben sowie den Kontakt zur Kundschaft und Entscheidungsträgern zu suchen, damit unsere Arbeit eine höhere Wertschätzung erfährt."

Die Fruchtwelt Bodensee findet vom 13. bis 15. Januar 2023 statt und ist am Freitag und Samstag von 9 bis 18 Uhr, Sonntag von 9 bis 17 Uhr geöffnet. Die Tageskarte kostet 19 Euro, online 15 Euro. Einen Überblick zum Vortragsprogramm steht ab sofort online bereit. Weitere Informationen unter: www.fruchtwelt-bodensee.de und https://www.instagram.com/fruchtwelt.bodensee/

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